Mit dem Tesla Model 3 in 24h von Ludwigsburg nach Chalkidiki

Einleitung

Alleine, trotz Corona-Beschränkungen, knappe 2.000 km ohne Übernachtung mit einem Elektroauto nach Nordgriechenland? Warum? Geht das nicht besser mit einem "normalem" Auto?

Eine Wahnsinns-Fahrt oder die Fahrt eines Wahnsinnigen?

Entscheidet selbst. Aber bitte erst wenn Ihr den Blogartikel auch gelesen habt.


Wie kam das?

2019

Nun, ich bin schon im letzten Jahr im Juni diese Strecke mit dem Model 3 gefahren, doch damals gab es noch keine Supercharger (derzeit 120-150 kW, zukünftig 250 kW) in Serbien. Es waren nur wenige 50 kW Schnellladesäulen vorhanden, die dann oft auch noch auf der falschen Autobahnseite stehen und/oder mit dem Model 3 nicht funktionierten, da ein notwendiges Software-Update in den Säulen nicht eingespielt war. Also entschloss ich mich in Belgrad in einem Hotel mit einem Tesla Destination Charger zu übernachten und gleichzeitig das Auto vollzuladen. Am nächsten Tag dann nur ein Ladestopp in Sofia (Bulgarien) an einer der zahlreichen 50 kW Ladesäulen während der Mittagspause fast vollmachen. (63% reichen bis Thessaloniki, 70% bis Gerakini plus ein bisschen Reserve). 13:45h am ersten Tag, 9:15h am zweiten Tag. So entspannt bin nie zuvor in Griechenland angekommen, nicht einmal mit dem Flugzeug.

2020

Dieses Jahr ist alles anders. Eigentlich wollte ich bereits am 21.06. direkt von Berlin nach dem Formel-E Rennen aus fahren und spätestens in Rumänien oder Serbien übernachten. Doch erst kamen die Reisebeschränkungen und danach der Formel-E Verschiebung auf unbestimmte Zeit (jetzt wollen sie ohne Publikum in Berlin mit 6 Rennen die Saison abschließen). Da sich die Reisebeschränkungen jeden Tag in jedem Land ändern können, und zwar je nach Herkunft (speziell auch das Bundesland, für die Quarantänebestimmungen bei der Rückreise), Ziel, Transitland und Staatsangehörigkeit der Insassen, habe ich erst 40h vor Abfahrt die endgültige Route festgelegt. Hilfreich dabei ist die Übersichtsseite des ADAC https://www.adac.de/news/mit-a…griechenland-und-tuerkei/ (wird mindestens dreimal die Woche aktualisiert) und die einzelnen Seiten des Auswärtigen Amtes https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender. Der Nachteil: da auch einige Hotels entlang der Route oft noch geschlossen waren, konnte ich keine verlässliche Buchung vornehmen. Also für den Notfall: selbstaufblasende Matraze, Kissen und Decke ins Auto packen. Da bietet sich der Camp-Mode der Teslas an: die Klimaanlage bleibt an und das Auto verschlossen, ohne die Umwelt zu belasten. (Perfekt auch für das Autokino!) Natürlich auch Proviant, für unterwegs und Griechenland (bei eventueller Zwangsquarantäne wegen positivem Covid-19 Test). Und Glasreiniger!!!

Die Route

Nachdem es klar war, dass ich durch Serbien (Risikogebiet) im Transit durchfahren darf, ohne allein deswegen mit Einreisebeschränkungen zu rechnen, habe ich mich für die südliche Balkanroute entschieden: Stuttgart-München-Salzburg-Tauernautobahn-Karawankentunnel-Ljubljana-Zagreb-Beograd-Nis. Zumal es bei Belgrad und Aleksinac zwei neue Supercharger-Standorte gibt. Von Alksinac wäre eine Etappe ohne Laden und ohne Tempoeinschränkungen bis Thessaloniki durch Nordmazedonien möglich, aber im Juni durfte man mit dem Auto nur über Bulgarien nach Griechenland einreisen. (Seit dem 01.07. darf man auch wieder mit der Fähre aus Italien einreisen, kommt für mich aber nicht in Frage - > Stichwort Schweröl). Deshalb ging es von Nis über Sofia nach Thessaloniki (41 km länger). Für die grobe Planung empfehle ich die App ADAC Maps, da man darin Länder von der Routenplanung ausschließen kann und auch die Maut- und Vignettengebühren angezeigt werden:

(Disclaimer: ich bin weder ADAC-Mitglied noch -Mitarbeiter und erhalte auch keine Begünstigungen)

Kosten

Maut+Vignetten: ca. 86€, Tesla-Supercharger: 44€ (in Serbien kostenlos), Plugsurfing (Sofia): 13,90€. Die e-Vignette für Bulgarien gilt auch für die Rückfahrt (30 Tage gewählt).

Rückreise: Falls ich bei meinem Plan bleibe, werde ich Serbien über Rumänien und Ungarn umfahren, da der Serbienaufenthalt dann mehr als 14 Tage zurückliegen wird und ich nicht mit Quarantänemaßnahmen in Baden-Württemberg rechnen muss. Die Rückfahrt wird weniger Maut- dafür mehr Stromkosten verursachen. Die Route ist länger, hat wesentlich weniger Autobahnanteil, ist aber dafür komplett EU-intern (leider noch nicht Schengenraum-intern).

Was mich bewegte durchzufahren

  • geschickte Wahl der Startzeit: Sonntag 16 Uhr (nochmal direkt vorher geschlafen), bin dadurch durch Österreich vor dem nächtlichen 110 km/h Tempolimit ab 22 Uhr (abschnittsweise auf der Tauernautobahn) durchgekommen.
  • Am Karawankentunnel und direkt danach keine Wartezeit.
  • Habe am Supercharger in Ljubljana den Youtuber Alex (elektrisiert) getroffen und spontan auch ein Interview gestottert. 😁 Dadurch deutlich länger geladen als geplant (das Hotel dort hatte wegen Corona bis min 06.07. auch noch zu) und beschlossen, den Supercharger in Zagreb zu überspringen.
  • An der slowenisch-kroatischen Grenze nur ca. 15 Min Verzögerung.
  • Vor dem Supercharger in Slavonski Brod musste ich erst den Mautkassierer wecken. 😂😂 1.007 km in 10:45h. (der Supercharger in Zagreb ist da ein bisschen besser, er steht an einem mautfreiem Autobahnabschnitt)
  • Die Autobahn Nis-Dimitrovgrad (bulgarische Grenze) ist nun komplett (Zeiterparnis). Auch auf der bulgarischen Seite wird kräftig gebaggert.
  • An der serbisch-bulgarischen Grenze auch nur ca. 15 Min Verzögerung (letztes Jahr ca. 70 Min).
  • Ein weiteres Teilstück der Autobahn Sofia-Kulata (griechische Grenze) ist fertig.
  • An der griechischen Grenze keine Verzögerung und bei mir wurde auch kein Covid-19-Stichprobentest durchgeführt. Zu fit und zu nah an der Heimat um zu übernachten. 😉
  • Mindestens 85% der Strecke bin ich mit dem Autopiloten gefahren. Dadurch muss man sich nicht gleichzeitig auf das Umfeld, den Abstand zum vorrausfahrenden Fahrzeug und die Spureinhaltung konzentrieren. Das entspannt deutlich, man wird nicht so schnell müde.

Ladestopps

  1. Supercharger Bernau am Chiemsee nach 350km. 40 Min, Abendessen, musste mich mit dem Essen beeilen, da ich ca. 10 Min auf die Freigabe der Toilette warten musste.
  2. Supercharger Ljubljana, ca. 45 Min
  3. Supercharger Slavonski Brod, ca. 30 Min
  4. Supercharger Beograd, ca. 20 Min. (überspringbar, aber im mautfreien Bereich und neu, also testen! Direkt bei IKEA, hatte noch nicht offen)
  5. Supercharger Aleksinac, auf dem Hotelparkplatz, Hotel war offen, saubere Toiletten, Frühstück wäre auf der Terasse möglich gewesen, war mir aber schon morgens zu heiß in der Sonne.
  6. 50 kW Sofia bei Mr. Bricolage (französische Baumarktkette), direkt am Autobahnring wo ich Richtung Süden abbiegen muss. Kann man überspringen wenn man die letzte Etappe max. 100 km/h fährt und das Wetter mitspielt. Die Kundentoiletten sind nicht gerade sauber.

Wieso schreib ich 24h wenn auf dem Ankunftsbild 18:11 Uhr steht?

  • Zum einen ist Griechenland in einer anderen Zeitzone und uns 1h voraus.
  • Zum anderen war ich noch so fit, dass ich in Griechenland 3 neue Ladesäulen testen wollte, die mehr oder weniger auf dem Weg lagen. Keine großen Umwege, aber zeitintensiv, da griechische Adressen außerhalb der Stadtzentren häufig keine Hausnummern haben und manchmal auch keine Straßennamen. Also erst mal suchen, mit Google Maps abgleichen, Ampeln, Einbahnstraßen, neugierige Personen an der einen Säule an der Tankstelle, bei der den Boden für die zwei reservierten Stellplätze frisch gestrichen war und erst der Chef gerufen wurde für die Freigabe... Das hat mich in der Summe eben ca. diese 71 Minuten gekostet.
  • Es gibt einige Zeugen, da ich außer in Serbien (unbezahlbare Roamingkosten) überall per Glympse (GPS-Tracker) verfolgbar war.

Hier nochmals das Zielbild, falls es im Titel skaliert wird und dadurch unten abgeschnitten wird:

Der Lohn der Mühe

Seht selbst, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, deshalb nur ein Wort noch: Sandstrand

Würde ich es wieder tun?

Nur wenn ich mindestens genauso fit bin. Und ohne Autopilot schon mal gar nicht. Alleine fahren hat auch einen Vorteil: man muss keine Rücksicht auf Mitfahrer nehmen und kann auch mal das Radio voll aufdrehen. 😉

Comments 3

  • Mit dem Model 3 hatte ich keine Angst und Schweiß, das Supercharger-Netz funktioniert zu 100% zuverlässig. Einziger notwendiger Nicht-Tesla-Ladestop ist in Sofia, dort gibt es rund ein Dutzend 50 kW Triple-Säulen. Über die sich ständig ändernden Einreise- und Transitbestimmungen konnte ich mich vorher schlau machen. Spannend wäre nur eine spontane Grenzschließung oder eine Autopanne (z.B. Reifenpanne) gewesen. Mit dem Leaf würde ich mir wegen dem "Ladennetz" auf der Balkanroute allerdings schon ein paar Sorgen machen...

    Thanks 1
  • Wahnsinning toller Reisebericht mit Angst und Schweiss. Wie in den 70ern mit dem SIMCA 1100. Macht mir Lust es mit dem LEAF e+ nachzumachen.

    Confused 1
  • Klasse Tourenbeschreibung und hut ab vor der Durchfahrt - den Schlaf danach haste Dir verdient.

    Wenn Du über Rumänien zurückfahren möchtest - nicht durch Craiova - (da hatte ich ja meinen Lappen temporär abgegeben) - oder wenn grüß die Polizisten ganz nett von mir :)

    Karpaten kann ich nur empfehlen wenn man kurvige Straßen mag!!


    Ach und zu Deiner Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

    Du hast meine 1700km (OK mit ein paar Sightseeing stopps) nochmals getoppt

    Thanks 1